Koordinaten der Arbeit im Land Bremen

Kammer legt dritte repräsentative Befragung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vor

Die Ergebnisse sind repräsentativ, stehen also stellvertretend für alle Beschäftigten im Land Bremen. Deshalb lassen sich auch Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Belastungen, der Zufriedenheit und den Sorgen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern herstellen und daraus wichtige Handlungsbedarfe im Interesse unserer Mitglieder aufzeigen.

Wie hat sich die Corona-Krise auf Ihre Arbeit ausgewirkt? Wie steht es um das Ansehen Ihres Berufes und wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Gehalt? Diese und ähnliche Fragen hat die Arbeitnehmerkammer in ihrer dritten repräsentativen Beschäftigtenbefragung gestellt, die das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) im Auftrag im Frühjahr 2021 durchgeführt hat. Die erste Befragung fand 2017 statt, die zweite 2019. 

Wer wurde befragt

Das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft legt mit der Studie „Koordinaten der Arbeit“ 2021 zum dritten Mal eine Repräsentativerhebung von im Land Bremen beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vor. Die letzte Erhebung fand im Frühjahr 2019 statt, die erste im Jahr 2017. Neben den in Bremen wohnenden Beschäftigten wurden die Einpendlerinnen und Einpendler aus Niedersachsen, Hamburg und weiteren Bundesländern einbezogen.

Die Befragung 2021 basiert zum einen Teil auf einer Panelstichprobe, d.h. auf den Befragten, die sich 2017 und 2019 zu einer erneuten Kontaktierung für eine Folgebefragung bereit erklärt hatten. Zum anderen Teil basiert sie auf einer Auffrischungsstichprobe, die ergänzend aus der Beschäftigtendatei der Bundesagentur für Arbeit gezogen wurde. Die Erhebung wurde als Telefonbefragung zwischen Februar und April 2021 durchgeführt. Auf Basis der repräsentativen Stichprobenziehung konnten 3.055 Interviews realisiert werden. Diese bilden die im Land Bremen beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bezogen auf unterschiedliche Strukturmerkmale vollständig und repräsentativ ab. Die Studienergebnisse geben also Auskunft über die gesamte Arbeitnehmerschaft mit Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis im Land Bremen und ermöglichen daher Rückschlüsse auf politische Handlungsbedarfe.

Struktur der Arbeitnehmerschaft

54 Prozent der Beschäftigten im Land Bremen sind männlich, 46 Prozent weiblich. Insgesamt ein Viertel der Befragten (24 Prozent) weist einen Migrationshintergrund auf. Das Durchschnittsalter liegt bei 42,5 Jahren. 44 Prozent der Befragten besitzen einen betrieblichen oder schulischen Berufsabschluss, 13 Prozent einen Meister-, Techniker- oder Bachelorabschluss und 30 Prozent einen Hochschulabschluss (inklusive Fachhochschulen). Der Anteil der Beschäftigten ohne beruflichen Abschluss beträgt 7 Prozent.

40 Prozent der im Land Bremen Beschäftigten sind Berufspendler, davon mit rund 60 Prozent mehrheitlich Männer. Insgesamt über zwei Fünftel wohnen außerhalb des Landes Bremen, etwas mehr als die Hälfte im Stadtgebiet Bremen und 7 Prozent im Stadtgebiet Bremerhaven. Der Arbeitsplatz der bremischen Beschäftigten liegt hingegen zum Großteil (84 Prozent) in der Stadt Bremen und zu 16 Prozent in Bremerhaven.

Betriebliche Strukturen

Die Beschäftigtenstruktur im Land Bremen wird von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit Betriebsstätten zwischen 50 und 249 Beschäftigten sowie von mittleren und großen Unternehmen ab 250 Beschäftigten geprägt, in denen zusammen zwei Drittel aller Beschäftigten arbeiten. Über 20 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Kleinbetrieben mit bis zu 19 Beschäftigten, die Übrigen in Betrieben zwischen 20 und 49 Beschäftigten. Mit insgesamt 13 Prozent bildet das verarbeitende Gewerbe den Wirtschaftszweig mit dem größten Anteil an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Größere Beschäftigtenanteile entfallen zudem auf das Gesundheits- und Sozialwesen (11 Prozent) sowie auf wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (10 Prozent).

Tätigkeitsmerkmale und Arbeitsverhältnis

Insgesamt sind 94 Prozent aller Befragten als Angestellte beschäftigt, 6 Prozent befinden sich in einer Ausbildung. Ein Zehntel der Befragten übt neben der Haupttätigkeit auch noch Nebentätigkeiten aus. Unter den Vollzeitbeschäftigten liegt der Anteil immerhin bei 9 Prozent. Im Land Bremen wird der Arbeitsmarkt von fachlich ausgerichteten Tätigkeitsprofilen bestimmt. Eine ausbildungsadäquate Beschäftigung üben 44 Prozent der Beschäftigten aus, 25 Prozent meinen sogar, beruflich mehr erreicht zu haben als mit ihrer Ausbildung zu erwarten war. Im Gegensatz dazu zeigen sich 26 Prozent überzeugt, gemessen am persönlichen Ausbildungsniveau unterwertig beschäftigt zu sein.

Wie auch in Deutschland insgesamt ist die Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt – also die Dominanz von Männern und Frauen in bestimmten Berufsgruppen – stark ausgeprägt. Produktions- und Bauberufe sowie Transport- und Logistikberufe sind klar männlich dominiert, das Spektrum der meisten Dienstleistungsberufe (Sozial-, Gesundheits-, Büro- und Handelsberufe) wird hingegen von weiblichen Arbeitskräften bestimmt – mit Ausnahme der IT- und naturwissenschaftlichen Berufe.

Beschäftigte mit Migrationshintergrund im Land Bremen sind im Vergleich zu den Arbeitskräften ohne Migrationshintergrund überproportional in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen anzutreffen. In IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen sowie in Berufen der Unternehmensführung und -organisation sind sie weiterhin vergleichsweise unterrepräsentiert.

Vertraglich arbeiten 72 Prozent der Befragten in Vollzeit, 26 Prozent in Teilzeit, 2 Prozent sind ausschließlich in einem Minijob tätig. Nur 9 Prozent der Männer, aber 46 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit. Mit 52 Prozent ist ihr Anteil an den Vollzeitbeschäftigten niedriger als bei den anderen Beschäftigten mit Kindern (64 Prozent). Etwas anders verhält es sich bei weiblichen Alleinerziehenden, die deutlich häufiger in Vollzeit (39 Prozent) arbeiten als es bei Frauen mit Kind und Partner der Fall ist (29 Prozent).

91 Prozent aller Arbeitsverträge im Land Bremen sind als unbefristete Beschäftigungen angelegt, 9 Prozent sind befristet. Befristungen sind mit 32 Prozent besonders stark in der jüngsten Altersgruppe zwischen 15-24 Jahren verbreitet. Ein Fünftel (19 Prozent) der Befragten mit einem befristeten Arbeitsvertrag fühlen sich dadurch stark belastet, 46 Prozent hingegen gar nicht. Zum Erhebungszeitpunkt zwischen Februar und April 2021 sind 2,9 Prozent der Bremer Beschäftigten bei einem Leiharbeitsunternehmen beschäftigt (2019: 2,6 Prozent). Der Anteil der Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer an der Gesamtzahl der Beschäftigten hat sich in den letzten 2 Jahren kaum verändert. Leiharbeitsbeschäftigte sind vor allem in der Industrie (30 Prozent) und der Lager- und Transportwirtschaft (39 Prozent) tätig. 26 Prozent der Befragten fühlen sich durch ihre Tätigkeit als Leiharbeitskraft (sehr) hoch belastet.

Vertragliche, faktische und gewünschte Arbeitszeit

Bei etwas weniger als der Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (45 Prozent) fallen vertragliche und tatsächliche Arbeitszeit auseinander. Allerdings unterscheiden sich im Durchschnitt die vertraglich festgelegte Arbeitszeit (34,1 Stunden) und die tatsächliche Arbeitszeit (34,7 Stunden) kaum. 2019 betrug der Unterschied noch fast 3 Stunden. Ein Grund für den Rückgang der tatsächlichen Arbeitszeit könnte in der pandemiebedingten Kurzarbeit zu finden sein, die zwar die wirklich geleisteten Stunden reduziert, die vertraglich festgelegten Arbeitszeitkonditionen aber unberührt lässt.

Rund 12 Prozent der Beschäftigten im Land Bremen befanden sich im Befragungszeitraum im ersten Quartal 2021 in Kurzarbeit. Für Vollzeitkräfte liegt die tatsächliche Arbeitszeit bei 39 Stunden (2019: 42 Stunden). Bei den Teilzeitkräften ist die tatsächliche Arbeitszeit gegenüber 2019 leicht auf 25 (2019: 26 Stunden) gesunken. Das verarbeitende Gewerbe, Lagerei/Logistik, die Baubranche sowie Krankenhäuser und der Pflegesektor bilden die Branchen, in denen am häufigsten regelmäßig Mehrarbeit in einem Umfang von über 6 Stunden auftritt. Im Einzelhandel geben dagegen mit 54 Prozent die meisten Beschäftigten an, keine Überstunden zu leisten.

Die bremischen Beschäftigten wurden auch gefragt, welche Arbeitsdauern sie sich wünschen, wenn sie diese – unter Berücksichtigung sich verändernder Verdienste – selber wählen könnten. Die Hälfte zeigt sich mit ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit nicht zufrieden. 13 Prozent der Befragten würden ihre bezahlten Arbeitsstunden gerne aufstocken und rund 36 Prozent würden lieber weniger bezahlte Stunden arbeiten. Der Wunsch, die Stundenanzahl zu reduzieren, ist bei Vollzeitkräften stärker, bei Teilzeitbeschäftigten geringer ausgeprägt. Bei dem Wunsch, die bezahlte Stundenanzahl zu erhöhen, verhält es sich umgekehrt. Auch ohne Kurzarbeitende bleiben diese Ergebnisse konstant, da es um die vertragliche, nicht die tatsächliche Arbeitszeit geht.

Insgesamt ist bei den Beschäftigten in Bremen die Tendenz erkennbar, dass sie ihre Arbeitszeit eher reduzieren als ausdehnen möchten. Im Einzelnen lassen sich aber Unterschiede feststellen. So wünschen sich 41 Prozent der Frauen ein Arbeitsvolumen im Rahmen der „langen Teilzeit“ (durchschnittlich 29 Stunden). Knapp die Hälfte der Männer (46 Prozent) wünscht sich hingegen ein Volumen am unteren Rand der „normgeprägten Arbeitszeit“ (durchschnittlich 35 Stunden). Nach Berufsgruppen betrachtet, sind Wünsche nach mehr bezahlten Stunden bei Reinigungskräften, sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen sowie in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen überdurchschnittlich weit verbreitet.

Lage der Arbeitszeit

Im Vergleich zur Befragung 2019 ist der Anteil derjenigen, denen es (fast) immer oder oft gelingt, auf familiäre und private Interessen bei der Arbeitsplanung Rücksicht zu nehmen, geringfügig auf 82 Prozent gestiegen. Ein Fünftel aller Befragten schafft es nach ihren Angaben aber selten oder (fast) nie, die Arbeitszeitplanung mit familiären und privaten Interessen hinreichend koordinieren zu können.

Von diesen Befragten bedeutet dies für 45 Prozent eine hohe oder sehr hohe Belastung. 23 Prozent der Befragten arbeiten im Schichtdienst. Männer sind hier mit 7 Prozentpunkten Vorsprung stärker vertreten als Frauen. Von Nachtarbeit sind im Land Bremen 10 Prozent der Beschäftigten insgesamt, aber 13 Prozent der Männer und 7 Prozent der Frauen betroffen. Bei regelmäßiger Arbeit an Sonn- und Feiertagen, Vertrauensarbeit und Gleitzeit, Arbeit auf Abruf sowie bei festgelegten Beginn- und Endzeiten sind keine oder eher geringe Unterschiede zwischen den Geschlechtern auszumachen.

Im Vergleich zu Beschäftigten mit Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit gelingt es den Befragten mit Schichtarbeit, Wochenend- und Nachtarbeit viel seltener oder (fast) nie, Privates und Familiäres mit der Arbeitszeitplanung unter einen Hut zu bekommen. Für die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie bzw. Arbeit und Privatleben stellen ungünstige Arbeitszeitlagen wie Arbeit auf Abruf, Schichtarbeit, Nacht- und Wochenendarbeit spürbare Hindernisse und Belastungsmomente dar.

Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzkontext

Bei knapp einer Hälfte der Beschäftigten im Land Bremen (46 Prozent) beinhaltet die Arbeit auch körperliche Arbeitstätigkeiten. 32 Prozent dieser Beschäftigten erachtet dies als hoch belastend, vor allem in den Bauberufen, Gesundheitsberufen sowie in Fertigungsberufen und Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen.

30 Prozent aller Befragten stellen fest, dass sie ihre Arbeit häufig in emotional belastende Situationen bringt. Spezifische Belastungen oder Anforderungen erwachsen überdies aus Menge und Art des Arbeitsanfalls und der Intensität der Tätigkeit. So fühlen sich 60 Prozent der Beschäftigten genötigt, häufig sehr schnell zu arbeiten. Bei einer knappen Hälfte (47 Prozent) staut sich Arbeit aufgrund unregelmäßigen Arbeitsanfalls an.

Über ein Drittel (37 Prozent) hat das Gefühl, oft nicht genug Zeit für alle Arbeitsaufgaben zu haben. Ebenfalls ein Drittel (34 Prozent) fühlt sich der Notwendigkeit zu häufigen Überstunden ausgesetzt. Die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer berichtet insgesamt von gestiegenem Stress und Arbeitsdruck im Zeitraum der letzten drei Jahre. Davon erlebt fast jede/r Zweite (47 Prozent) diese Stresszunahme als Belastung. Bei 64 Prozent der Befragten sind auch die fachlichen Anforderungen in den vergangenen drei Jahren gestiegen. Ein Viertel dieser Beschäftigten nimmt diese Veränderungen als eine starke Belastung wahr. Diese Befunde zur Einschätzung der Arbeitsbedingungen haben sich im Vergleich zu den Erhebungen 2017 und 2019 kaum verändert.

Gestaltungsmöglichkeiten und Betriebskultur

Eigene Gestaltungs- und Handlungsspielräume bei der Arbeit tragen in hohem Maße zur nachhaltigen Arbeitsfähigkeit bei. Drei Viertel der bremischen Arbeitnehmerschaft geben an, in hohem Maße über Entscheidungsfreiräume bei der Aufgabenerledigung zu verfügen und mehr als zwei Drittel der Befragten (71 Prozent) erleben ihre Arbeitstätigkeit als abwechslungsreich.

Auf die Menge der übertragenen Arbeit kann hingegen nur ein Drittel hohen Einfluss nehmen. Eigene Handlungsspielräume genießen bei den Beschäftigten insgesamt einen sehr hohen Stellenwert. Auch den Befragten, denen diese qualitativen Merkmale am Arbeitsplatz bisher fehlen, wäre es wichtig, diese Gestaltungsressourcen zu bekommen. So wären für 62 Prozent der Befragten mit wenigen Gestaltungsfreiräumen am Arbeitsplatz solche Spielräume wichtig. Und 58 Prozent der Arbeitskräfte ohne abwechslungsreiche Tätigkeit wäre es wichtig, mehr Abwechslungsreichtum am Arbeitsplatz verwirklicht zu sehen. Außerdem würden sich 56 Prozent der Beschäftigten wünschen, die auf die übertragene Arbeitsmenge keinen oder kaum Einfluss haben, diesbezüglich mitgestalten zu dürfen.

Identifikation und Anerkennung

82 Prozent der Beschäftigten im Land Bremen identifizieren sich in hohem Maße mit der eigenen Arbeit. Überdies sind 69 Prozent auch in hohem Maße davon überzeugt, mit ihrer Arbeit einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zu leisten. Allerdings gibt es eine gewisse Lücke zwischen der gesellschaftlichen Relevanz, die die Beschäftigten ihrer Arbeit zumessen, und der gesellschaftlichen Anerkennung des eigenen Berufs.

Einzelne Gruppen sind weniger von der Anerkennung überzeugt. Insbesondere Beschäftigte aus medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen beurteilen die gesellschaftliche Anerkennung ihres Berufs zurückhaltend. Mit dem Arbeitsverdienst sind insgesamt 71 Prozent der Befragten zufrieden, dabei nimmt die Zufriedenheit ab einem Nettoeinkommen von über 1.500 Euro stark zu. Wenig zufrieden mit dem Gehalt zeigen sich vor allem Beschäftigte in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen, Gesundheitsberufen und Reinigungskräfte.

Gesundheit

Der allgemeine Gesundheitszustand wird von den Beschäftigten mehrheitlich (63 Prozent) als gut bzw. sehr gut wahrgenommen, 11 Prozent betrachten ihren Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht. Dabei spielen Alter, soziale und berufliche Lage bei der Bewertung des Gesundheitszustands eine wichtige Rolle. Die Beschäftigten wurden auch gefragt, inwieweit die persönliche Arbeitstätigkeit ihre Gesundheit beeinflusst. Ein Fünftel der Befragten konstatieren einen positiven Einfluss, zwei Fünftel dagegen eher einen negativen Einfluss der Arbeit auf die eigene Gesundheit.

Einen überwiegend negativen Einfluss sehen vor allem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Bau- und Ausbauberufen und Gesundheitsberufen. Dies sind gleichzeitig die Berufe, in denen ein überdurchschnittlicher Teil der Beschäftigten starke körperliche Belastungen angibt und in denen häufig Mehrarbeit geleistet wird. Immerhin ein knappes Viertel der Befragten (24 Prozent) glauben mit Blick auf ihre subjektiv eingeschätzte Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht, ihre derzeitige Tätigkeit bis zum regulären Rentenalter ausüben zu können.

Darüber hinaus liegt im Land Bremen noch ein großes, unterausgeschöpftes Potenzial für Maßnahmen der präventiven betrieblichen Gesundheitsförderung vor. Lediglich 57 Prozent der Beschäftigten berichten, dass ihr Arbeitgeber in den letzten zwei Jahren Maßnahmen zur Gesundheitsförderung angeboten hat. Das Phänomen des „Präsentismus“, also krank zur Arbeit zu gehen, hat im Vergleich zu den vergangenen Erhebungswellen deutlich abgenommen, was zum Teil mit den pandemiebedingten Rückgängen bei vielen typischen Erkrankungen zusammenhängen dürfte. Im Durchschnitt aller Angaben sind Beschäftigte aus dem Land Bremen in den letzten 12 Monaten 6 Tage bei der Arbeit anwesend gewesen, obwohl sie sich eigentlich krank fühlten (2019: 10 Tage). Die Hälfte aller Befragten ist im Krankheitsfall nie zur Arbeit gegangen, 13 Prozent sind dagegen trotz Krankheitssymptomen an mehr als 10 Tagen bei der Arbeit erschienen. Grundsätzlich scheint ein Zusammenhang zwischen der Beurteilung der gesundheitlichen Auswirkungen der Arbeit und dem Ausmaß des Präsentismus zu bestehen: Je höher die Anzahl der Tage von Arbeitspräsenz trotz Krankheit, desto höher ist auch der Anteil derjenigen, die die gesundheitliche Wirkung der Arbeit negativ beurteilen.

Perspektiven der Arbeitsplatzsicherheit

8 Prozent der bremischen Beschäftigten sorgen sich um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Besonders Personen mit befristeten Arbeitsverträgen (21 Prozent), aber auch Beschäftigte ohne Ausbildungsabschluss oder mit Migrationshintergrund (jeweils 16 Prozent, nur unbefristet Beschäftigte) sehen ihren Arbeitsplatz überdurchschnittlich häufig gefährdet. In Hinblick auf die möglichen Probleme, nach einem Arbeitsplatzverlust eine neue Stelle zu finden, erwarten insgesamt 56 Prozent kaum Schwierigkeiten; 43 Prozent sehen dies hingegen problematisch. Deutlich ausgeprägte Unterschiede gibt es nach Lebensalter. Nur ein Drittel der 55 bis 67-Jährigen hält es für möglich, nochmals eine neue Stelle zu finden, aber 67 bis 69 Prozent der jüngeren Erwerbskohorten.

Perspektiven der beruflichen Weiterbildung

Möglichkeiten für berufliche Weiterbildung können entscheidend zur beruflichen Weiterentwicklung und zur aussichtsreichen Positionierung am Arbeitsmarkt beitragen. Eine knappe Hälfte aller Befragten (47 Prozent) gibt an, im eigenen Betrieb grundsätzlich Weiterbildungsmöglichkeiten vorzufinden. Mit mehr als zwei Dritteln (69 Prozent) bewertet die jüngste Altersgruppe diese Möglichkeiten am häufigsten als gegeben. Die Möglichkeiten zur Weiterbildung hängen unmittelbar mit der Unterstützung durch den Arbeitgeber zusammen.

Hier bietet sich ein gespaltenes Bild. Die eine Hälfte der Beschäftigten im Land Bremen bewertet sie als hoch oder sehr hoch, die andere Hälfte sieht sich in geringem oder sehr geringem Maß unterstützt. Die Weiterbildungsunterstützung differiert unter anderem nach der Form des Beschäftigungsverhältnisses oder dem Alter deutlich. Atypisch Beschäftigte, Teilzeitarbeitende und die älteren Jahrgänge erhalten deutlich weniger Unterstützung vom Arbeitgeber für ihre Weiterbildung als andere Gruppen. Das gilt auch für Beschäftigte in kleinen Unternehmen und in Betrieben ohne Mitbestimmung.

Die Einschätzungen zu den Möglichkeiten decken sich mit den tatsächlich absolvierten Weiterbildungen. 58 Prozent der Beschäftigten nahmen in den vergangenen zwei Jahren an einer Weiterbildung teil. Unterschiede beim Zugang zur Weiterbildung zeigen sich auch hier nach Personengruppen, Ausbildungsniveau, Verdiensten und Betriebsgröße. Nach Berufssegmenten haben besonders Beschäftigte in den medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen sowie in den kulturellen und sozialen Dienstleistungsberufen und fertigungstechnischen Berufen von Weiterbildungsmöglichkeiten profitiert. Die Unterstützung durch den Betrieb bei der Weiterbildung ist darüber hinaus für die wirkliche Teilnahme an einer Weiterbildung sehr förderlich. Rund 74 Prozent der Beschäftigten, die von ihrem Arbeitgeber bei der Weiterbildung in (sehr) hohem Maß unterstützt werden, haben in den letzten 2 Jahren an einer Weiterbildung teilgenommen.

Zusammenfassend bestätigt sich weiterhin der Eindruck, dass im Feld der beruflichen Weiterbildung im Land Bremen noch einiges zu tun bleibt. Vor allem benachteiligte Personengruppen am Arbeitsmarkt wie an- und ungelernte oder atypisch Beschäftigte benötigen bessere Zugangschancen, um eine höhere Weiterbildungsbeteiligung sicherzustellen.

Digitaler Wandel in der Bremer Arbeitswelt

Bereits im Jahr 2017 wurden im Rahmen der Studie „Koordinaten der Arbeit im Land Bremen“ die Verbreitung, Nutzung und Auswirkungen digitaler Technologien auf die bremischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer untersucht. In der diesjährigen Befragungsrunde wurde dieses Thema wieder aufgegriffen. Das Ausmaß des Einsatzes von digitaler Technik am Arbeitsplatz im Land Bremen bewegt sich allerdings nach wie vor sowohl quantitativ als auch qualitativ auf eher konventionellen Bahnen. Zu den am häufigsten genutzten digitalen Technologien zählt klassische Digitaltechnik für Büroarbeitsplätze (PC und mobile Varianten, internetgestützte Kommunikationsmedien, Anwendungssoftware). Digitale Lesegeräte, worunter Scanner- und Lasertechnikanwendungen fallen, sind ebenfalls weit verbreitet. Speziellere Technologien (digitale Steuerungseinrichtungen und -instrumente, digitale Diagnosegeräte, digitale Fertigungsanlagen und -geräte, innovative Visualisierungstechnologien) werden insgesamt wie schon 2017 deutlich seltener genutzt.

In einigen Branchen (verarbeitendes Gewerbe, wissenschaftliche/technische Dienstleistungen) sind diese spezielleren Technologien aber deutlich häufiger im Einsatz, genau wie in bestimmten Berufsgruppen (Fertigungsberufe, fertigungstechnische Berufe). Eine qualitative Veränderung der Arbeit durch Digitalisierung ist für das Land Bremen aber klar erkennbar. Mehr als ein Drittel aller Befragten (38 Prozent) gibt an, dass der Einsatz von Digitaltechnik in den letzten drei Jahren bei ihnen zu Veränderungen beim Aufgabenzuschnitt oder der Arbeitsorganisation geführt habe. Darüber hinaus geben von den Arbeitskräften, die digitalisierungsbedingte Veränderungen in den letzten drei Jahren bejahen, im Schnitt 14 Prozent an, durch diese Veränderungen starke Belastungen zu empfinden. 85 Prozent geben an, Fähigkeiten und Kompetenzen aufgrund der technologischen Neuerungen ständig weiterentwickeln zu müssen und von rund 65 Prozent wird konstatiert, dass die Fülle der gleichzeitig zu erledigenden Aufgaben durch die technologischen Neuerungen zugenommen habe.

Eine spürbare Entlastung der Arbeit durch technologische Neuerungen wird dagegen von 53 Prozent der Befragten geltend gemacht. Etwas weniger als die Hälfte der Befragten stimmen überdies der Aussage zu, dass die technologische Entwicklung zur Vergrößerung ihrer Handlungsfreiheiten bei der Arbeitsgestaltung geführt habe (45 Prozent). Einschränkungen des persönlichen Tätigkeitsprofils aufgrund der technologischen Neuerungen fürchtet ein gutes Fünftel der Befragten.

Die Beschäftigten wurden auch nach ihren Befürchtungen gefragt, ob neue Technologien ihren Arbeitsplatz überflüssig machen könnten. Für etwas weniger als ein Zehntel der bremischen Arbeitnehmerschaft ist dies ein Anlass zur Sorge (7 Prozent). Beschäftigte, die noch am Anfang ihres Berufslebens stehen, machen sich zudem deutlich häufiger Sorgen als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anderer Alterskohorten. Darüber hinaus sind die Beschäftigtengruppen mit den meisten Sorgen auch diejenigen mit der im Vergleich geringsten Weiterbildungsbeteiligung. Dennoch haben sich die Sorgen um einen möglichen Wegfall des Arbeitsplatzes aufgrund des Einsatzes neuer Technologie im Vergleich zum Jahr 2017 insgesamt etwas verringert.

Entgrenzung der Arbeit

Eine Entgrenzung der Arbeit im Sinne unscharfer praktischer Abgrenzungen zwischen Arbeitszeit und Freizeit trifft für knapp 20 Prozent der Beschäftigten zu: Sie haben mehrmals pro Woche oder täglich mit dienstlichen Telefonanrufen oder der Beantwortung von dienstlichen E-Mails außerhalb der regulären Arbeitszeit zu tun. Die meisten Befragten (59 Prozent) sind allerdings nie oder selten damit konfrontiert. Unter den Beschäftigten, die häufig außerhalb der Arbeitszeit dienstliche E-Mails und Telefonanrufe beantworten, fühlen sich fast ein Zehntel (9 Prozent) dadurch in (sehr) hohem Maß belastet.

Homeoffice und mobile Arbeit

Im Land Bremen hat sich der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice von 19 Prozent im Jahr 2019 auf 41 Prozent im Jahr 2021 mehr als verdoppelt. Unter den Beschäftigten, die nicht aus dem Homeoffice arbeiten, steht dem vor allem die Tätigkeit selbst im Weg, die zumeist nicht von zu Hause aus erledigt werden kann. Dies trifft vor allem auf Beschäftigte in Gesundheitsberufen, in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen sowie in Fertigungsberufen zu. Darüber hinaus geben zwei Fünftel (43 Prozent) an, aufgrund unzureichender technischer Ausstattung bzw. fehlender räumlicher Möglichkeiten nicht von zu Hause arbeiten zu können. Bei einem Zehntel der Nicht-Nutzer/innen gilt darüber hinaus ein explizites Homeoffice-Verbot durch den Arbeitgeber.

Nicht zuletzt spielt bei den Befragten aber auch die Wahrnehmung und Einschätzung der Arbeitgeberpositionen eine Rolle dafür, dass nicht von zu Hause gearbeitet wird. Dazu zählen das Gefühl, dass beim Arbeiten von zu Hause die Vorgesetzten der Beschäftigten die eigene Arbeitsleistung weniger wahrnehmen würden, sowie das Gefühl, dass die eigene physische Anwesenheit dem oder der Vorgesetzten wichtig sei. Darüber hinaus wünscht sich mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Nicht-Nutzer/innen eine klare Trennung von Berufs- und Privatleben und lehnt Homeoffice daher ab. 43 Prozent geben an, dass durch die Arbeit von zu Hause ihr Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen leide und sie deshalb nicht von zu Hause arbeiten möchten. Für die Beschäftigten, die von zu Hause arbeiten, gelten Zeitgewinne als ein klarer Vorteil von Homeoffice. Zudem meinen vier Fünftel (82 Prozent) der Homeoffice-Nutzer/innen, durch diese Arbeitsform Arbeits- und Privatleben einfacher miteinander vereinbaren zu können. Zwei Drittel sind der Meinung, zu Hause konzentrierter als im Büro arbeiten zu können.

Als Schwachpunkte von Homeoffice werden häufig Entgrenzungserfahrungen und unzureichende persönliche Kommunikation genannt. Allerdings fällt die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten, die (auch) von zu Hause aus arbeiten, ein klar positives Urteil zu dieser Arbeitsform. Für knapp 15 Prozent überwiegen eher die Nachteile. Das mobile Arbeiten, also die Arbeit an wechselnden Orten und Plätzen, die nichts mit der unmittelbaren Tätigkeit zu tun haben, ist nur für 14 Prozent der Beschäftigten relevant. Von den Beschäftigten, die an wechselnden Orten oder Plätzen arbeiten, geben drei Viertel (77 Prozent) an, dass sie bei ihrer Arbeit auf mobile und digitale Technik angewiesen sind. Diese Form der Mobilbeschäftigung entspricht hochgerechnet etwa 10 Prozent aller Beschäftigten. Bei den Beschäftigten, die mindestens 25 Prozent oder mehr ihrer Arbeitszeit an wechselnden Orten oder Plätzen arbeiten, gibt es für diese Beschäftigungsform bei 19 Prozent nur eine mündliche Regelung der Rahmenbedingungen und für 17 Prozent keine explizite Regelung. Mehrheitlich wird diese Arbeitsform von den Betroffenen positiv bewertet, es werden damit überwiegend Vorteile (62 Prozent) bzw. viele Vorteile (23 Prozent) verbunden. Überwiegend (13 Prozent) oder gar viele Nachteile (2 Prozent) sehen nur wenige der von Mobilarbeit Betroffenen.

Panelbefragung zu Digitalisierung, Homeoffice und mobilem Arbeiten

In diesem Jahr wurde der Fokus neben einem Querschnittsvergleich der inzwischen drei Erhebungsjahre (2017, 2019 und 2021) auch auf einen Längsschnittvergleich der Personen gelegt, die in zwei (2019 und 2021: n=924) oder in allen drei (2017, 2019 und 2021: n=522) Erhebungsjahren teilgenommen haben (Panelteilnehmerinnen und -teilnehmer). Im Hinblick auf die Nutzung von bestimmten digitalen Arbeitsmitteln blieb das Niveau – abgesehen vom Anstieg bei den drei konventionellen Arbeitsmitteln – auch unter den Panelfällen nahezu unverändert. Allerdings hat sich das Niveau der Nutzung bei den speziellen, insgesamt eher selten genutzten, Technologien unter der Panelbefragten verschoben – allerdings haben sich die Verschiebungen dabei teilweise gegenseitig ausgeglichen oder aufgehoben.

Wenig Änderung gibt es im Antwortverhalten bezüglich der Sorgen vor einem Arbeitsplatzverlust durch digitale Technologien. 92 Prozent der Panelteilnehmerinnen und -teilnehmer gaben sich sowohl 2017 als auch 2021 diesbezüglich unbesorgt. Anders sieht es dagegen bei der Nutzung von Homeoffice aus. Hier bestätigt die Auswertung der Panelfälle im Prinzip die Zunahme der Nutzung, wie sie auch die Querschnittsauswertung zeigt. Denn von den Beschäftigten, die 2017 noch nicht von zu Hause arbeiteten, arbeiten 2021 inzwischen 31 Prozent zumindest teilweise im Homeoffice. Für 58 Prozent spielt diese Arbeitsform weiterhin insgesamt keine Rolle.

Bezogen auf den Zeitraum zwischen 2019 und 2021 beträgt der Anstieg der Nutzer/innen von Homeoffice gut 24 Prozent. Sowohl 2017 und 2021 zeigen sich nur 71 Prozent der Panelteilnehmerinnen und -teilnehmer von den Vorteilen des Homeoffice überzeugt. Bei 14 Prozent überwiegen 2021 die Vorteile, die 2017 eher die Nachteile sahen; umgekehrt betonen über 11 Prozent 2021 die Nachteile, die 2017 noch die Vorteile gelobt hatten.

Auswirkungen der Corona-Krise

In der Vorbereitung der Befragung „Koordinaten der Arbeit 2021“ wurde entschieden, einige Fragen zur Wahrnehmung und den konkreten Folgen der Corona-Krise auf das Arbeitsleben mit aufzunehmen. Dies betrifft zum Beispiel die Frage der gesellschaftlichen Anerkennung von Berufen. Hier sind partielle Änderungen zu der allgemeinen gesellschaftlichen Wahrnehmung in der Corona-Pandemie zu verzeichnen. Gerade Beschäftigte aus Gesundheitsberufen, aber auch aus Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen – zum Teil sogenannte systemrelevante Berufe – waren im Rahmen der Corona-Pandemie in den medialen Fokus gerückt. Allerdings fällt bei diesen Berufsgruppen in der vorliegenden Studie die subjektive Wahrnehmung der gesellschaftlichen Anerkennung ihres Berufs ungünstiger als bei anderen aus (genau wie bereits 2019).

Zugleich hat sich in diesen Berufsgruppen die Zufriedenheit im Vergleich zur letzten Befragungswelle 2019 etwas unterschiedlich entwickelt. So zeigen sich Beschäftigte in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen insgesamt 2021 um 10 Punkte zufriedener mit ihrer gesellschaftlichen Anerkennung als 2019 (64 vs. 54 Prozent). Bei den Beschäftigten der Gesundheitsberufe ist die Einschätzung der gesellschaftlichen Anerkennung ihres Berufsstandes hingegen noch einmal um 6 Punkte gesunken (54 Prozent 2021 vs. 60 Prozent 2019). Darüber hinaus glaubt rund ein Drittel aller befragten Beschäftigten (32 Prozent), dass die Corona-Krise die gesellschaftliche Anerkennung des eigenen Berufs verändert hat.

Ebenfalls erfragt wurde, ob die Beschäftigten im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Krise in Kurzarbeit gehen mussten. Dies traf auf 29 Prozent aller Befragten zu. Zum Erhebungszeitpunkt (Februar bis April 2021) waren 12 Prozent der Befragten in Kurzarbeit (unabhängig davon, ob dies durch die Corona-Krise induziert war). Zudem sorgten sich rund 10 Prozent der Beschäftigten, die zum Befragungszeitpunkt nicht in Kurzarbeit waren, aufgrund der Corona-Krise noch in Kurzarbeit gehen zu müssen. Die vertragliche Arbeitszeit (die sich bei der Anordnung von Kurzarbeit nicht ändert) der Beschäftigten hat sich aufgrund der Corona-Krise bei rund 6 Prozent verändert. Unter den Beschäftigten, die eine Veränderung angeben, entfallen zwei Drittel auf Kürzungen und ein Drittel auf Erhöhung der vertraglichen Arbeitszeit.

Zudem geben 15 Prozent aller Beschäftigten mit Kindern an, (zeitweise) ihre tatsächliche Arbeitszeit aufgrund fehlender Kinderbetreuung gesenkt zu haben. Für Frauen gilt dies etwas häufiger als für Männer. Gut 18 Prozent aller Beschäftigten haben in den letzten 12 Monaten (vor dem Befragungszeitpunkt) ihren Arbeitsplatz gewechselt. Mehr als ein Fünftel (22 Prozent) dieser Arbeitsplatzwechsel stehen nach Auskunft der Befragten im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Überdurchschnittlich häufig traten coronabedingte Arbeitsplatzwechsel bei Beschäftigten in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen und in Berufen der Unternehmensführung und -organisation auf.

Die Corona-Krise hat bei 16 Prozent der Beschäftigten die Sorgen vergrößert, den Arbeitsplatz eventuell zu verlieren. Insgesamt befürchten 9 Prozent, in Folge der Krise arbeitslos zu werden. Einkommensverluste aufgrund der Krise fürchten dagegen 17 Prozent aller Beschäftigten, wobei diese Ängste bei den unteren Einkommensgruppen deutlich stärker ausgeprägt sind. Zwei Fünftel (41 Prozent) der Beschäftigten in Bremen arbeiteten 2021 im Homeoffice, doppelt so viele wie 2019. Von denjenigen, die jetzt zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten, nutzten nur 38 Prozent diese Arbeitsform bereits vor der Corona-Pandemie, aber in der Regel in geringerem Umfang als aktuell.

62 Prozent der aktuell Homeoffice-Arbeitenden nutzten diese Arbeitsform vor der Pandemie noch gar nicht. Die Beschäftigten, deren Tätigkeit durch den digitalen Wandel in (sehr) hohem Maß betroffen ist, wurden gefragt, ob die Corona-Krise einen vermehrten Einsatz digitaler Technologien bei ihrer Arbeit in den letzten 12 Monaten ausgelöst habe. 57 Prozent stimmen dem in (sehr) hohem Maße zu, 42 Prozent halten dagegen die Pandemie nicht für einen (zusätzlichen) Treiber der Digitalisierung an ihrem Arbeitsplatz. Bezogen auf Berufsgruppen, hat sich die Pandemie auf den Einsatz digitaler Technologien besonders stark bei Beschäftigten in sozialen, kulturellen und unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen ausgewirkt.

Eine weitere Frage lautete, wie hoch das Risiko eingeschätzt wird, sich im Rahmen der beruflichen Tätigkeit mit dem Corona-Virus anzustecken. Fast ein Fünftel (18 Prozent) beurteilten dieses Ansteckungsrisiko im Erhebungszeitraum (Februar bis April 2021) als sehr hoch, 24 Prozent als eher hoch, 35 Prozent als eher niedrig und gut 23 Prozent als sehr niedrig. Das gefühlte Ansteckungsrisiko zeigt sich besonders stark ausgeprägt im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Bereich Erziehung und Unterricht und bei Post-, Kurier- und Expressdienstleistungen. Zudem überrascht der Befund nicht, dass 73 Prozent der Homeoffice-Arbeitenden das berufliche Ansteckungsrisiko als (sehr) niedrig erachten, aber nur 46 Prozent der nicht zu Hause Arbeitenden.

Dementsprechend ist auch der Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz während der Corona-Zeit von großer Wichtigkeit. Diesbezüglich gab beinahe die Hälfte der Befragten an, sich gut durch die vom Arbeitgeber ergriffenen Maßnahmen geschützt zu fühlen (46 Prozent); weitere 38 Prozent stimmten dieser Aussage tendenziell zu. Nicht gut geschützt fühlen sich dagegen vor allem Beschäftigte aus den Wirtschaftszweigen Erziehung und Unterricht, Baugewerbe und öffentliche Verwaltung.

Zum Abschluss der Sondererhebung wurden bei den bremischen Beschäftigen Einschätzungen zu einigen möglichen politischen Maßnahmen zum Umgang mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise eingeholt. Eine Frage lautete, ob eine Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes sinnvoll oder wünschenswert für Menschen wäre, die krisenbedingt arbeitslos werden. 59 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage voll und ganz zu, weitere 35 Prozent zeigen sich eher zustimmend.

Hohe Unterstützung findet auch die Forderung, für wichtige gesellschaftliche Bereiche wie die Schulen oder das Gesundheitssystem mehr staatliche Unterstützung als bisher fließen zu lassen. Dieser Aussage stimmen zwei Drittel voll und ganz und 29 Prozent eher zu. 6 Prozent stehen dieser Forderung (eher) ablehnend gegenüber. Die dritte zur Einschätzung vorgelegte Aussage betraf den Vorschlag, vorhandene Vermögen stärker heranzuziehen, um die finanziellen Folgen der Corona-Krise besser bewältigen zu können. Hier sind die Meinungen deutlich differenzierter. 37 Prozent stimmen dem voll und ganz, 34 Prozent eher zu. Die Ablehnung fällt etwas stärker aus (8 Prozent gar nicht zustimmend, 17 Prozent eher nicht zustimmend) als bei den zwei vorigen Vorschlägen. Bei allen drei Fragen zeigen sich Beschäftigte aus den niedrigeren Einkommensgruppen häufiger von den Aussagen überzeugt als Beschäftigte mit hohem Verdienst.

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Regine Geraedts
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